Politik – EU

18. Februar 2019

Hat der Brexit Folgen für den Agrarmarkt?

Der Brexit hat Auswirkungen auf viele Bereiche – den Handel, die Migration, die Außenpolitik. Besonders die konkreten Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung von Deutschland sowie allen weiteren Mitgliedstaaten der EU sind jedoch noch ungewiss. Agrar-Trends hat sich mit möglichen Folgen für die Landwirtschaft und den Agrarsektor beschäftigt. Wie sieht die Zukunft der Landwirtschaft in der EU ohne das Vereinigte Königreich aus?

Wichtiger Exportmarkt: Welche Lebensmittel sind betroffen?
Großbritannien ist für Deutschland der fünftwichtigste Exportmarkt bezogen auf den Agrarmarkt. Aktuell beträgt der Exportüberschuss Deutschlands bei Agrarprodukten mit dem Vereinigten Königreich jährlich um die 3,5 Milliarden Euro.

Für die EU, insbesondere für Deutschland, Irland, Dänemark, Frankreich und die Niederlande ist das Vereinigte Königreich ein wichtiger Absatzmarkt für Milchprodukte. Großbritannien zählt zu den bedeutendsten Importeuren von Käse innerhalb des EU-Binnenmarktes.

Im Jahr 2017 importierte das Vereinigte Königreich Schweinefleisch im Wert von 2,7 Milliarden GBP. Zu den Hauptlieferanten zählen Dänemark, die Niederlande und Deutschland. Auch Geflügel wird in großem Maße von den Briten importiert. Insgesamt ist daher mit einem Fleischüberschuss auf deutscher Seite zu rechnen.

Ein harter Brexit würde die Agrarwirtschaft auf beiden Seiten gleichermaßen treffen. Insbesondere für Nordirland wäre es ein Rückschritt, zum Drittstaat für die EU zu werden. Durch den Brexit ist die Ungewissheit und damit die zukünftige Entwicklung Deutschlands zu groß. Ob und wie sich Marktströme und Erzeugerpreise tatsächlich verändern würden, ist schwierig abzusehen, das Risiko für negative Markteinflüsse ist hoch.

Die Landtechnikbranche sorgt vor
Die Landtechnikbranche bereitet sich seit Monaten auf die Folgen eines harten Brexits vor. Komponenten und Produkte, die in der Vergangenheit aus Großbritannien bezogen wurden, werden jetzt in anderen Ländern eingekauft und neue Verträge werden abgeschlossen, um mögliche Lieferengpässe zu vermeiden und die Produktion zu sichern.

„Brexit Box“ mit 15 kg Lebensmitteln
Der bevorstehende Brexit bringt Unternehmer auf interessante Ideen: Das Unternehmen „Emergency Food Storage“ hat in den vergangenen Wochen Hunderte „Brexit Boxen“ verkauft. Für umgerechnet rund 335 Euro kauften zahlreiche besorgte Briten die 15 Kilogramm schwere mit gefriergetrockneten Lebensmitteln gefüllte Kiste. Falls die Nahrungsmittelversorgung in weniger als zwei Monaten in Großbritannien nicht mehr gesichert sein sollte, soll ein Paket für dreißig Tage vorsorgen.

Was passiert bei welchem Szenario?

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Keine Vereinbarung

Im Falle gescheiteter Verhandlungen zwischen der britischen Regierung und der EU, sind Neuwahlen in Großbritannien wahrscheinlich. In jeglicher Hinsicht wird dies eine starke Einschränkung des Handels für alle Beteiligten bedeuten. Aufgrund höherer Importkosten der Briten, sei mit einer steigenden Inflation zu rechnen. Ein Rückgang des Pfund-Wechselkurses sowie des Wachstums des Landes sei garantiert.

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Weicher Brexit

Dieses Szenario würde den Handel am geringsten benachteiligen. Das Vereinigte Königreich wäre auch künftig Mitglied eines großen Teils des Binnenmarktes und die wirtschaftliche Beziehung zwischen Nordirland und Irland kann nahezu gleichermaßen aufrechtgehalten werden.

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Harter Brexit

Ein harter Brexit bedeutet eine harte Grenze zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU und besonders der Republik Irland. Anders als im Falle gescheiterter Verhandlungen, wären Auswirkungen frühzeitiger ersichtlich und damit Herangehensweisen überlegter und besser planbar.

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25 Jahre Agrar-Kompetenz

Der Initiator der Website agrar-trends.de ist Dipl.-Ing. agr. Dirk Gieschen. Der Agrarökonom und Agrarjournalist ist seit mehr als 25 Jahren auf die Analyse von Agrartrends sowie die Strategieberatung von Unternehmen im vor- und nachgelagerten Bereich der Landwirtschaft spezialisiert.

Darüber hinaus ist Dirk Gieschen Geschäftsführer der Werbe- und PR-Agentur GMC Marketing GmbH in Tarmstedt (Niedersachsen) und Geschäftsführer einer landwirtschaftlichen Ausstellungsgesellschaft.